Erinnerungen an Konzentrationslager: Dachau, Gusen, Auschwitz, Gross Rosen, Hersbruck, Dachau
Lagerandenken

Geschichte der Lagersteine

Es war das Jahr 1940, nach der Verhaftung am 23.04.1940 und nach der Verhörung in Gestapo in Cieszyn in der alten Fabrik der Biegemöbel „Mondus” wurden wir in den Zug geladen und in Konzentrationslager KL Dachau gebracht. Im Lager außer der deutschen Kommunisten waren schon Polen. Der neue Transport zählte etwa 2000 Leute aus dem Bezirk Bielsko, Żywiec und Oświęcim. Das war polnische Intelligenz: die Priester, Lehrer, Beamte. Das Lager in Dachau „quellte auf”, war nicht vorbereitet auf solche Transporte. Es gab keine Betten, also man hat auf dem Fußboden geschlafen. Es gab keine Beschäftigung für die immer wieder kommende tausende Polen. Auf den Feldern der grünen Pflanzen arbeiteten frühere Häftlinge. Mit den neuen „Zugängen” hat man sich so geholfen, dass sie uns das Marschieren und so genannte „Mützen ab” tausennd Mal am Tage wiederholt haben. Endlich haben sie uns deutsche Lieder beigebracht, das hoffnungslose Suchen der Läuse in der Personalwäsche, das Putzen des Kochgeschiers aus Alluminium mit der Lagerjacke, die man nach dem Beschmutzen ohne Seife waschen sollte. Es war eine dumme Beschäftigung, hoffnungslose. Deshalb, wenn es erlaubt wurde sich auf den Straßenkantenstein zu setzen um die nicht existierende Läuse zu suchen, jemand hat angefangen, und dann gab es viele Nachahmer.

Die auf der Straße zwischen den Baracken gefundene Steinchen wurden am Anfang über die Kante des Straßenkantenstein gestrichen, um dem Steinchen eine Gestalt zu geben. Die Buchstaben und die Ziffer wurden mit den in der Kantine gekauften Nadeln ausgestochen. Die Kapos und die deutschen Blockwärte haben oft über uns gelacht und sagten, dass wir noch genügend Steine aufessen werden. Das haben wir erst verstanden, wenn man uns zum Steinbruch in Gusen gebracht hat.

Meine zwei Steinchen hatte ich fertig. Und ich staune jetzt selbst, wie ich sie durch 5 Jahre über 7 Lager gebracht habe, und in dieser Zeit gab es oft Revisionen der Taschen und der Anzüge.

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