Erinnerungen an Konzentrationslager: Dachau, Gusen, Auschwitz, Gross Rosen, Hersbruck, Dachau
”Der Todesmarsch” Hersbruck-Dachau

In der Nacht vom 7. auf 8.02.1945 wurde Alarmversammlung auf dem Appellplatz befohlen. Decke und Kochgeschirr sollten wir mitnehemen.

Gruppen der Häftlinge sind ausgegangen. Meine Gruppe hat 1800 Leute gezählt. Wir haben die Decke und das Kochgeschirr mitgenommen. Ich habe auf dem Bauch einen Sack mit Rübentreber getragen – ich habe sie für letzte Marken von einem zivilen Deutschen in der Arbeit gekauft. Wir gingen nach dem Süden. Wir haben gedacht, dass wir nach Dachau gehen. Aber um nach Dachau zu kommen muss man die Donau überqueren, aber die Brücken waren durch die Bombardierung zerstört! Und so gingen wir 17 Tage lang zu Fuß. In den ersten drei Tagen wurde noch die Suppe vom Lager gebracht. In den nächsten drei Tagen bekamen wir noch eine Portion Brot und die übrigen Tage gingen wir hungrig. Sogar Wasser war auf dem Weg verboten. Aber in der Mittagszeit um 12-13 Uhr gab es eine Mittagspause ohne Mittag. Geschlafen haben wir gewöhnlich in Obstgärten, in den Scheunen oder direkt auf der Wiese.

Die Russen, die am Rande der Fünfer der Kollumne gingen, eines Tages sprangen aus den Reihen und sprangen in das Feld. Ich wusste nicht wozu! Erst wenn sie zurück waren, habe ich gesehen, dass sie Futterrüben mit sich hatten. Eines Tages, am irgendeinem Kilometer habe ich auch einen Haufen Futterrüben gesehen, aber dabei war schon eine Menge der Häftlinge. Ich habe 3 Futterrüben ertappt. Ich habe sie in Scheiben geschnitten und hinter das Hemd versteckt. Das war der dreizehnte oder der vierzehnte Tag des Marsches. Die Beine verwickelten sich, in den Augen wurde dunkel! Ich fühlte, dass es mit mir Ende ist. Es folgte die Mittagspause auf einer Wiese. Die anderen lagen und schliefen. Ich habe auf den Knien und mit dem Taschenmesser in der Hand Sauerbrunnen und Gänsedistel gesucht. Ich habe damit zwei große Taschen gefüllt.

Es wurden Hunderte formiert und weiter der Marsch. Ich begann zu kauen, wörtlich kauen. Ich habe den ganzen Inhalt der Taschen gekaut. Der Magen wurde voll und ruhig.

Die Ruhepause in der Nacht ist auf der Wiese in der Verzweigung der Flüsse. Ich fürchte, ob ich von diesem grünen Zeug keinen Durchfall bekomme, denn das würde auch ein Ende bedeuten. Am Morgen stelle ich fest, dass in der Nacht war alles in Ordnung. Man könnte viel über diesen schweren Weg schreiben. Darüber, als ich für mein Seidenhemd habe zwei ungekochte Kartoffeln bekommen, wie ich aus der Rübenmiete auch drei Rüben herausgerissen habe usw.. Ich möchte hier vielmehr unterstreichen, dass auf keiner Ruhepause haben wir irgendwelche Zeichen vom Erbarmen, Mitgefühl gesehen. Sogar das Wassertrinken war verboten. Es wurde gesagt, dass wenn jemand eine liegende Kartoffel aufhebt, wird als Dieb des deutschen Gutes erschossen.

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