Erinnerungen an Konzentrationslager: Dachau, Gusen, Auschwitz, Gross Rosen, Hersbruck, Dachau
Transport aus Gross Rosen

Das Lager in Gross Rosen wurde am 5.02.1945 in der Nacht durch russische Flugzeuge beschossen. Im Lager war die Verdunkelung. Es war so genannte Blocksperre und niemand durfte aus dem Block hinausgehen. Licht war aus. Wir saßen auf den Betten. Wir haben die Schussserien aus Gewehren und schnelle  Schritte der SS-Männer – und das hat uns sehr ermutigt. Und dann folgte eine Stille. Endlich etwa um Mitternacht hörten wir die Lagersirene. Wir haben Decke, Geschirr und den Löffel mit sich genommen. Auf dem Appellplatz wurden wir gezählt, man hat uns in Hunderte gestellt. Zu jedem Hundert der Häftlinge wurden einige SS-Männer und 2-3 Hunde hinzugefügt. In der dunklen Nacht gingen wir auf den Weg. Wir kamen auf eine Station Ich lese den Namen: Strigau. Auf dem Gleis stehen offene Kohlenwaggons. Auf jedem Kohlenwaggon ist mit Kreide geschriebene Zahl 60 oder 80 und sogar 100. So viel Häftlinge solltene hier gepackt werden. In meinen Kohlenwaggon statt 60 wurden etwa 100 eingepackt. Es war so eng, dass man die Beine nicht bewegen konnte! In einer Waggonecke standen einige Deutsche, Blockwärte und Kapos. Wenn der Zug im Laufe war haben diese Deutschen einen schwachen Polen gefasst und „über Bord” geworfen, damit nur für sich etwas Platz zu machen. Wir konnten jedoch nicht reagieren, denn wir waren so zusammengedrängt, dass wir uns nicht bewegen konnten. Wenn dieses Hinauswerfen nicht aufhörte, jemand hat vorgeschlagen die Deutschen mit Zigaretten zu besänftigen. Wir haben einige Zigaretten gesammelt und haben den Deutschen gegeben, damit sie niemanden über Bord mehr hinauswerfen. Und sie haben aufgehört. Sie haben sich schon genügend Platz „gemacht”.

Wir steigen auf einer großen Station Plauen aus. Es wird befohlen allen auszusteigen. Es folgt eine Selektion. Die schwachen Häftlinge lassen sie auf dem Bahnsteig, und den stärkeren befehlen sie in die Waggons einzusteigen. Ich habe noch im Gedächtnis folgendes Bild: wenn in dem Durchgang zum Bahnsteig, neben Fahrkartenknipser, eine schwarz angezogene alte Frau vorbeigeht. Wenn sie neben Fahrkartenknipser ist, die Soldaten erschießen die Häftlinge auf dem Bahnsteig. Und ich sehe, wie diese Frau ein Kreuzzeichenmacht. Der Zug fährt, die Soldaten springen ein und wir fahren weiter. Wir fahren durch den Bahnhof in Leipzig. Ganz zerstört. Auf dem Bahnsteig spaziert ein junger deutscher Flieger mit einem kleinen Dolch an der Seite und hält unter dem Arm ein Mädchen und ich höre die Stimme des Mädchens: was sind das für Eine? Und der Offizier antwortet: schau dort nicht, das sind Affen!

Wir haben wirklich sonderbar ausgesehen: schon einige Tage fahren wir ohne Essen und Waschen, gedeckt mit nassen vom Regen und Schnee Decken und zu sehen sind nur Augen, und bei vielen konnte man in Augen Fieber sehen!

 

Briefe aus Gross Rosen – am 26.11.1944, 01.01.1945, 02 oder 03.1945,