Erinnerungen an Konzentrationslager: Dachau, Gusen, Auschwitz, Gross Rosen, Hersbruck, Dachau
Für immer blieben sie in Gusen

Im Lager erscheint Durchfall. Im Revier voll von Kranken. Sie liegen auf dem Fußboden. Damit sie die Strohsäcke nicht verunreinigen, wurden ihnen Strohsäcke weggenommen. Es liegt auch Gustaw Klaja (etwa 60 Jahre alt) und sein Sohn Henryk bittet mich, damit ich zum Pfleger gehe und ihn deutsch bitte um das Sehen des Vaters durch den Sohn. Ich bin gegangen und ich habe den Kranken schon in einem hoffnungslosen Zustand gesehen. Der Sohn hat den Vater verabschiedet. Psychisch gescheitert war auch der Lehrer – gebürtig aus Straconka Antoni Procner. Dieser hat nicht mehr geglaubt an ein schnelles Ende des Krieges, hat auch nicht mehr geglaubt, dass er das Lager überleben wird, und eines Tages habe ich ihn nicht mehr gesehen.

Ähnlich psychisch gescheitert war der Leiter der Schule in Czuchów Kreis Rybnik Ireneusz Półchłopek. Der hat die Hölle der Posener Forte überlebt. War nicht nur schwach, aber auch auf dem ganzen Körper geschlagen. Er hat uns direkt gefordert, dass wir ihm sagen, wann der Krieg endet. Er wollte hören, dass es gleich, in einer Woche, in einem Monat geschieht. So viel Tage kann er noch durchhalten. Ähnlich gescheitert war mein Lehrer aus dem Lehrerseminar in Rogoźno Wlkp. – Kazimierz Kozioł, sowie auch der Priester und Religionslehrer aus diesem Seminar – Werbel.

Aber psychisch nicht gescheitert war der Lehrer aus Oppelner Gegend Neugebauer. Trotz seinem Namen behauptet er hartnäckig, dass er ein Pole ist. Umenschlich geschlagen und gefoltert wurde mit „Pfosten” bestraft, dass heißt er wurde gehängt mit Händen auf dem Rücken gebunden. Und dieser Pfosten, das war der Betonpfahl des Einfahrttores zum Lager. Drei mal hat man ihn gehängt in den Mittagsstunden, wenn  Glühhitze ergoss sich aus dem Himmel. Und ich habe eine sonderbare Gemütsregung bei meinem Blockwart (dem Kriminellen) gesehen. Wenn Neugebauer von dem Pfosten befreit und in den Block gebracht wurde, dann unser Blockwart in seinem kleinen Saal hat Neugebauer massiert, Umschläge gemacht und ernährte ihn mit Grießsuppe  und zuerst mit warmem Salzwasser. Ich habe Neugebauer gesehen, als er „kuriert” zur Arbeit ging. Was weiter mit ihm geschah weiß ich nicht, denn ich nach Mauthausen gebracht wurde..

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