Erinnerungen an Konzentrationslager: Dachau, Gusen, Auschwitz, Gross Rosen, Hersbruck, Dachau
Befreiung, 29.04.1945

Wir waren frei! Und auf einmal hören wir ein Geschrei: die Amerikaner sind im Lager. Es war 17.45 Uhr.

Wir sind durch die Fenster der Kapelle, durch die Türe, nur um schneller, schneller. Die Leute laufen in Richtung des Grabens. Ich laufe auch. Ich sehe das Laufbrett über dem Graben. Die Drähte sind durchgeschnitten. Wir gehen aus dem Lager dort, wo die Linie der Schutztürme läuft. Wir laufen in Richtung Tor. Dort sehen wir die amerikanischen Soldaten in amerikanischen Uniformen.

Endlich sind wir frei und wir leben. Wir haben die Mühe der fünf Jahren ausgehalten. Das war nur die Spitze der Amerikaner. Die Hauptkräfte der Amerikaner sind noch weit von Dachau.

Wir können erwarten, dass durch diese Gegend vielleicht die Kampffront gehen wird. In der Lagerküche kocht niemand. Wir sind hungrig über das Maß der menschlichen Zähigkeit. Ich meine hier so genannte ”Zugänge” evakuiert aus anderen Lagern. Die örtlichen waren doch verproviantiert.

Aber auf den Wachtürmen erschienen die Amerikaner und wir waren weiter im Lager  eingeschlossen, nur mit dem Unterschied, dass es kein Essen gab. Nach 2-3 Tagen haben wir 1 kg Konservenbüchse mit Rindfleisch bekommen. Aus Hunger hat man viel gegessen und davon Durchfall.

Viele starben wegen Durchfall – obwohl im Lager die Amerikaner waren. Es wurde Grieß (dickflüssig) gegeben und alle haben habgierig gegessen. Aber nach einigen  „Grießtagen” wurde angefangen mit murren über die Amerikaner. An jedem Appel die Priesster verschiedener Religionen haben appelliert um die Hilfe bei den Kranken und auf diese Weise dem Gott für die Freiheit danken.

Ich habe mich mit zwei Kollegen gemeldet. Als vierter hat sich Priester  Józef Całujek mit Kenntnis der englischen Sprache angeschlossen.

 

Briefe aus Dachau – 02.05.1945, 22.05.1945

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