Erinnerungen an Konzentrationslager: Dachau, Gusen, Auschwitz, Gross Rosen, Hersbruck, Dachau
Ankunft in Dachau

Wir bekommen die Zuteilung von kleinen Schränken, in den sich Löffel, Gabel, Teller, Kochgeschirr und ein Töpfchen befinden – alles aus Alluminium. Es hängt auch ein Handtuch. Man darf Zahnpaste und Zahnbürste haben. Stehen in der Reihe gemäß Höhe, Ausmarsch zu fünft gegliedert. Endlich das Lernen von deutschen Liedern. Manche können nicht deutsche Worte gut aussprechen, aber es genügt mit dem Mund bewegen und irgendwelche Töne aussprechen. Bei dem ersten Aufenthalt in Dachau   (es war die Rekrutenzeit) hat man uns „Mützen ab”, das Marschieren und die Lieder beigebracht. Aber erlaubt war nur das Singen von ausgewählten Liedern, zum Beispiel  – Tirol, Tirol – du bist mein Heimatland – also Volkslieder. Es war gut, wenn jemand verstand die deutsche Sprache, aber die, die nichts verstanden haben machten den Mund auf und zu und sprachen irgendwelche Töne aus. Aber das Singen „ging”. Es war nicht erlaubt ein altes Soldatenlied zu singen: „Ich hab’einen Kameraden”. Wir Häftlinge haben nicht verdient um solche Lieder singen zu dürfen.

Ich erinnere mich, wenn ein Häftling – Priester –auf einer Kiste sollte uns das Singen eines Liedes mit dem Kehrreim „Der Me…… beibringen. Wenn er zum Lehren uns von diesen letzten Worten kam, sagte er: „ich sage so, denn so wird mir so befohlen, aber ich glaube es nicht”. Und so bis zum Mittag. Das Bekommen der Suppe. Das Kochgeschirr wird matt. Es folgt das „Polieren” vom Kochgeschirr bis zum Glanz mit dem Rand der Lagerjacke. Und wieder Marsch zu fünft gegliedert, und wieder das Singen, und Eingießung von Tee in das Kochgeschirr und eine Portion Brot. Nach dem Abendessen weiteres Polieren vom Kochgeschirr bis zum Glanz. Aber auch die Rekrutenzeit ist vorbei. Eines Tages wurden wir in alte österreichische Uniforme der Soldaten aus dem ersten Weltkrieg angezogen. Auf dem Rücken waren Kreuze mit Ölfarbe gemacht. Auf die Füße Holzschuhe, und in die Hand 3 Brotportionen. Also wir fahren 3 Tage lang! Eine Portion habe ich sofort an der Stelle gegessen und zwei habe ich im Handtuch versteckt. Wir sind in einem Viehwagen. Wir sind sehr viele. Vom Sitzen kann keine Rede sein! Jemand macht einen Vorschlag, dass sich die Hälfte zusammendrängen soll, damit die andere Hälfte sich setzen oder sich ausstrecken könnte. Natürlich in Schichten. Und in einer Schicht hatte ich die Möglichkeit „mich auszustrecken”. Das Handtuch mit dem Brot lege ich bei dem Kopf und ich schlafe ein. Wie naiv ich war. Wenn man mich geweckt hat, habe ich das Brot gesucht. Es war nicht! Ich habe darüber gejammert. Dann kam zu mir igendein Typ und mit Akzent aus Warschau hat mir sehr scharf gesagt, dass ich nicht mehr jammern soll, denn  „offensichtlich du warst nicht hungrig, wenn dein Brot nicht gegessen hast”. Auch andere zeigten ihre Fäuste.

Das war die erste Bekanntschaft mit der Grobheit und Brutalität der „politischen” Häftlinge.

Wir wurden nach Gusen gebracht, zu den Steinbrüchen, wo wir uns „mit Steinen sattessen sollten“.

Seiten: 1 2 3