Erinnerungen an Konzentrationslager: Dachau, Gusen, Auschwitz, Gross Rosen, Hersbruck, Dachau
Das Krankenhaus zum zweiten Mal

Ich lag auf dem Bett an der Tür. Sie waren immer offen. Damit die Kranken nicht flehend aus dem Saal weggingen ununterbrochen auf einem Hocker hatten Dienst die Genesenden. Eines Tages war kein Diensthabender… Ich kam aus dem Bett, ging zum Waschraum, habe einige Wasserhähne aufgemacht und ich legte mich in den steinernen Wassertrog.  So einen Sinnengenuss habe ich in meinem Leben nicht erlebt! Das war ein so großer Sinnengenuss, dass kein anderer lässt sich damit vergleichen (in der Freiheit…)! Aber jemand hat es bemerkt, ich wurde gafasst und auf das Bett geworfen. Die Pfleger haben lange darüber erzählt! Auf der anderen Seite (unter dem Fenster) lag Ingenieur Stefan Jachna, mein Bekannter von der Zeit vor dem Krieg. Er war schon nach der Krise. Jeden Tag hat ihm das Essen der Blockwart Wilhelm Smyczek, Bergmann aus dem Steinkohlenwerk Rymer durch das Fenster gegeben. Jachna bekam Leib und die Röte. Es war ihm gut. Aufs Lager war es ihm nicht eilig. Auf einem Bett mit mir lag Ksawery Dunikowski – über ihn an anderer Stelle von diesen Erinnerungen.

Ich phantasierte, aber ich hatte auch Momente eines vollen Bewußtseins. Und so in der Nacht habe ich gehört, wie die Pfleger sitzend bei ihren Betten sagten: Morgen Entläusung des Blocks! Wir werden Ruhe haben. Und ich wusste schon was heißt   „Entläusung des Blocks”. Wieder habe ich die Vorhalle erreicht und sage zum Stefek: das und das habe ich gehört, es ist nötig zu fliehen! Darauf Stefek: du bist dumm, hier muss ich nicht arbeiten, Villi bringt mir das Essen und es ist mir hier gut. Geh auf dein Bett. Ich kam zum Xawery und erzählte ihm, was ich in der Nacht gehört habe. Und er sagt darauf – was machst du? Ich „gehe hinaus”, ich melde mich als gesund. Denn jeden Tag, Morgen früh in der Tür des Blocks 20 stellte sich ein Häftling aus der Schreibstube, das heißt der Schreiber des Blocks (Stanisław Głowa) und mit einer lautstarken Stimme rief – wer gesund ist soll sich aufs Lager anmelden! Xawery und ich (ohne Hemden) kommen von Betten und wir gehen in Richtung der Tür, wo der Schreiber steht. Ich fühle, dass ich torkele, also ich halte mich der Linie der ausgelegten Fliesen oder des farbigen Betons. Der Schreiber lacht: und ihr aufs Lager? Aber wir kamen so nahe, dass er die Nummer auf den Armen sah, und da er „die alten Nummer“ sah, hat er schnell gesagt: gut, lauft weg, ich werde euch gleich ausschreiben. Wir haben etwas bekommen (Ausschreibung?), was uns zum Ausgang aus dem Block berechtigte. Aber wir mussten die Kleidung bekommen. Wir setzten uns mit Xawery unter den Block. Mit den Rücken haben wir uns an die Wand gestützt und die Sonne begann zu wärmen. Wie lange wir gesessen haben, kann ich mich nicht entsinnen. Genug lange um zu sehen, dass gleich die Lastkraftwagen kamen, die Tore des Blocks 20 wurden geöffnet und es begann das Laden der Kranken. Mehrere Lastkraftwagen fahren aus mit den Kranken als Ladung. Einige Kranken liegen und auf ihnen stehen andere Kranke. Und wen sehe ich?! Stefek Jachna! Er hat nur gerufen: verabschiede meine Frau!

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